EHA 2020
Beim 25. EHA hat Roche 49 Abstracts zu zugelassenen sowie in klinischer Prüfung befindlichen Medikamenten in über 7 hämatologischen Indikationen präsentiert.
Studien mit langem Follow-up in FL und CLL zeigten die Zuverlässigkeit moderner Chemoimmuntherapie-Regime mit Gazyvaro (Obinutuzumab). Zudem zeichnet die Vielfalt der Kombinationsmöglichkeiten Gazyvaro in der Behandlung maligner B-Zell-Erkrankungen aus.
Lang anhaltender Wirksamkeitsvorteil mit Gazyvaro
Das auf dem EHA vorgestellte 5-Jahres-Update derGALLIUM-Studiezur Erstlinientherapie desfollikulären Lymphoms (FL)bestätigte Gazyvaro (G): Mit G plus Chemotherapie behandelte (initial therapienaive) FL-Patienten profitierten gegenüber dem Vergleichsarm mit Rituximab (Original-Biologikum MabThera®, R-Chemo) sowohl durch weiterhin anhaltende klinisch relevante Vorteile beim progressionsfreien Überleben (PFS: Hazard Ratio [HR] 0,76; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,62-0,92; p=0,0043; 5-Jahres-PFS: 70,5% [95%-KI: 66,4-74,1] vs. 63,2% [95%-KI: 59,0-67,1]) als auch der Zeit bis zur nächsten antileukämischen Therapie(TTNT: HR 0,72; 95%-KI: 0,57-0,90; p=0,0039; 5-Jahres-TTNT-Rate: 79,7% [95%-KI: 76,1-82,7] vs. 72,9% [95%-KI: 69,1-76,4]).1Die Beobachtungsdauer lag hier bei median 76,5 Monaten.
Für Patienten mit nicht vorbehandelterchronisch lymphatischer Leukämie (CLL)und Komorbiditäten zeigte dieCLL14-Studienach median 39,6 Monaten Beobachtungsdauer eine anhaltende Überlegenheit der Kombination von G plus Venetoclax (Ven) – einem in Partnerschaft mit AbbVie entwickelten Medikament. Im Vergleich mit einer Standardtherapie bestanden auch 2 Jahre nach protokollgemäßer Beendigung der Studienmedikation unverändert klinisch relevante Vorteile bei der Remissionstiefe und -dauer (nicht nachweisbare minimal Resterkrankung (MRD) im peripheren Blut 18 Monate nach Therapieende: 47,2% vs. 7,4%). Das PFS lag nach über 3 Jahren Beobachtungsdauer bei 81,9% vs. 49,5%. (2)Damit deutet sich durch die zeitlich begrenzte Gabe von G + Ven ein Langzeitnutzen an, der über das Therapieende weit hinausreicht.
Gazyvaro als vielseitiger Kombinationspartner
Wie die Vielzahl der beim EHA veröffentlichten Abstracts zeigt, wird Gazyvaro in zahlreichen Studien als Kombinationspartner etwa mit dem Bruton-Kinase-Inhibitor Acalabrutinib (3)oder Zanubrutinib (4)untersucht oder als Dreifachkombination mit Ibrutinib und Venetoclax in der CLL2-GIVe-Studie (5). Diese schloss CLL-Hochrisikopatienten mit 17p-Deletion und/oder TP53-Mutation ein und erreichte mit einer Rate für komplette Remissionen (CR) von 58,5% bereits den primären Endpunkt (p<0,001). Auch die MRD-Rate von 80,5% stimmt optimistisch. Darüber hinaus werden Anwendungsaspekte von Gazyvaro aufwändig überprüft – etwa die Gabe als entlastende Kurzzeitinfusion in der FL-Erstlinientherapie. In der Studie GAZELLE wird eine Infusionsdauer von 90 Minuten untersucht. (6)
Fazit für die Praxis: Die auf dem EHA präsentierten Daten bestätigen die bewährte Wirksamkeit und gute Verträglichkeit von Gazyvaro und unterstreichen dessen Bedeutung als zentraler Baustein für die Behandlung von Patienten mit CLL bzw. FL. Gleichzeitig weisen die Ergebnisse auf eine neue Vielfalt von Kombinationsmöglichkeiten hin, die eine auf Patientenpräferenzen und das individuelle Krankheitsbild abgestimmte personalisierte Therapie ermöglicht.
Ausblick – Vielversprechende Daten zu neuen Substanzklassen
Das kürzlich zugelassene Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Polivy®[blacktriangle] (Polatuzumab Vedotin) wird in der POLARGO-Studie mit R-GemOx kombiniert. Die Studie rekrutiert auch in Deutschland. (7)Zudem stellte Roche auf dem EHA vielversprechende neue Moleküle am Anfang der klinischen Entwicklung vor, wie den bispezifischen anti-CD20/anti-CD3-Antikörper Glofitamab (CD20-TCB): Eine Phase-I-Dosis-Eskalationsstudie mit Glofitamab zeigte ausgeprägte klinische Wirksamkeit bei akzeptablem Sicherheitsprofil beim vorbehandelten non-Hodgkin-Lymphom. (8)Eine CR wurde von 36% aller Patienten bei Dosierungen ab 10 mg erreicht, diese war im Verlauf früh sichtbar und bei einem medianem Follow-up von 10,2 Monaten mehrheitlich stabil.
Referenzen
Townsend W, et al. 25. EHA, 11.-14. Juni 2020; Frankfurt/M. Abstract EP1170
Al-Sawaf O, et al. 25. EHA, 11.-14. Juni 2020; Frankfurt/M. Abstract S155
Brown JR, et al. 25. EHA, 11.-14. Juni 2020, Frankfurt/M. Abstract PB1926
Soumerai J, et al. 25. EHA, 11-14. Juni 2020; Frankfurt/M. Abstract S162
Huber H, et al. 25. EHA, 11.-14. Juni 2020; Frankfurt/M. Abstract S157
Hübel K, et al. 25. EHA, 11.-14. Juni 2020, Frankfurt/M. Abstract PB2191
Haioun C, et al. ASCO, 29.-31. Mai 2020, Chicago. Abstract TPS8070
Dickinson MJ, et al. 25. EHA, 11.-14. Juni 2020, Frankfurt/M. Abstract S241
[blacktriangle] Das Arzneimittel Polivy unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Auch Patienten können dabei helfen, indem Sie jede auftretende Nebenwirkung melden.
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