Grenzach-Wyhlen, 09. Juni 2022
Am 9. Juni 2022 hat die Europäische Kommission Atezolizumab zur Therapie des resezierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) mit hohem PD-L1-Status in der Adjuvanz zugelassen.1 Mit Zulassungserweiterung wird Atezolizumab - als Monotherapie angewendet - zur adjuvanten Behandlung des NSCLC nach vollständiger Resektion und platinbasierter Chemotherapie bei erwachsenen Patient:innen mit hohem Risiko für ein Rezidiv eingesetzt, deren Tumoren eine PD-L1-Expression auf ≥ 50 % der Tumorzellen aufweisen und kein EGFR-mutiertes oder ALK-positives NSCLC haben.
Tecentriq (Atezolizumab) ist die erste und einzige adjuvante Krebsimmuntherapieoption beim resezierten NSCLCi.
Atezolizumab kann mit der Zulassungserweiterung zur adjuvanten Therapie beim NSCLC nach R0-Resektion und platinhaltiger Chemotherapie bei erwachsenen Patient:innen mit hohem Rezidivrisiko und PD-L1iiTCiii ≥ 50 % angewendet werden.
Für Betroffene bedeutet die adjuvante Therapiestrategie Hoffnung auf ein längeres krankheitsfreies Überleben.
Hinsichtlich des resezierten NSCLC verlangt die Zulassungserweiterung jetzt eine frühzeitige Testung auf PD-L1 und andere Biomarker.
Grundlage für die Zulassung sind die vorläufigen Ergebnisse der Phase-III-Studie IMpower010 zum frühen NSCLC.2 Patient:innen in den Frühstadien II-IIIA* mit PD‑L1 TC ≥ 50 % profitierten in dieser Studie besonders von der adjuvanten Behandlung mit Atezolizumab bei gleichzeitig guter Verträglichkeit.3
Adjuvante Therapie mit Atezolizumab verringert Risiko für Rezidiv oder Tod erheblich
Unter Atezolizumab verbesserte sich das krankheitsfreie Überleben (DFSiv) bei PD-L1-hochexprimierenden Patient:innen in den Stadien II-IIIA* signifikant: Das Risiko für ein DFS Event war um 57 % reduziert (unstratifizierte HR, 0,43; 95 %-KI: 0,26-0,71), verglichen wird mit der bestmöglich unterstützenden Behandlung (BSCv). Patient:innen mit BSC blieben median 37,3 Monate (95 %-KI: 30,1-NE) krankheitsfrei; im Atezolizumab-Arm wurde das mediane DFS bislang noch nicht erreicht.3
Patient:innen mit PD-L1 TC ≥ 50 % erlitten unter Atezolizumab halb so oft einen Krankheitsrückfall (sowohl lokales Rezidiv als auch Fernmetastasen) wie unter BSC (22 % vs. 44 %). Atezolizumab verringerte dabei besonders das Risiko der Bildung von Fernmetastasen (9 % vs. 26 % BSC); die Rezidive treten zudem später auf. Eine frühe Analyse der PD-L1-hochexprimierenden Patient:innengruppe wies im Behandlungsarm mit Atezolizumab auf einen deutlichen Überlebensvorteil hin. Das Risiko, zu versterben, war um 61 % (unstratifizierte HR, 0,39; 95 %-KI: 0,18-0,82) reduziert.4 Das mediane Follow-up betrug zum Zeitpunkt der Auswertung 34,2 Monate.3 Das Sicherheitsprofil entsprach dem bereits bekannten Sicherheitsprofil bei fortgeschrittenen Stadien.3
Praxis beim frühen NSCLC im Wandel
Für Patient:innen mit frühem NSCLC hat die Zulassungserweiterung von Atezolizumab große Bedeutung für das Leben mit der Erkrankung. Trotz frühzeitiger Diagnose und potentiell kurativer Resektion tritt bei etwa der Hälfte der Patient:innen mit frühem NSCLC ein Rezidiv auf.5 Bisher zugelassene (neo-)adjuvante Chemotherapien schaffen nur einen geringen Überlebensvorteil.6,7
«Der Bedarf an neuen Therapieoptionen in den frühen Stadien des NSCLC ist entsprechend groß, um das krankheitsfreie Überleben und damit das Gesamtüberleben zu verbessern», betont Prof. Wolfgang Schütte, Chefarzt für Innere Medizin am Klinikum Martha Maria in Halle/Saale. Die Zulassungserweiterung für Atezolizumab als neue Strategie im adjuvanten Setting wird diesen gegenwärtigen Zustand ändern.
Damit die neuartige adjuvante Behandlungsoption in die klinische Praxis integriert werden kann, ist insbesondere die Bestimmung des PD-L1-Expressionslevels nach Diagnose oder spätestens nach Resektion erforderlich. «Um den kurativen Ansatz der Operation zu erhalten, ist eine optimale Versorgung der NSCLC-Patient:innen auch nach dem Eingriff sicherzustellen. Dazu ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Pathologie und Onkologie unerlässlich. Jeder Fall sollte im Tumorboard besprochen werden», mahnt Dr. Katrin Welcker, Chefärztin für Thoraxchirurgie der Kliniken Maria Hilf in Mönchengladbach.
Möglichkeiten der Krebsimmuntherapie
Atezolizumab wird bereits in der First-Line-Behandlung des metastasierten NSCLC in zwei verschiedenen Kombinationen, mit Chemotherapie allein bzw. Chemotherapie und Bevacizumab (Avastin®) angewendet. Bei hoher PD-L1-Expression auf mindestens 50 % der Tumorzellen oder mindestens 10 % der tumorinfiltrierenden Immunzellen und ohne ALK- oder EGFR-Mutation ist Atezolizumab seit letztem Jahr als Monotherapie zugelassen.4
* nach UICC 7
i Non-small cell lung cancer (NSCLC)
ii Programmed death-ligand 1 (PD-L1)
iii Tumor cell (TC)
iv Disease-free survival (DFS): definiert als Ausbleiben von Rezidiven, neu aufgetretenem NSCLC oder Tod
v Best supportive care (BSC)
Referenzen
[1] https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/summaries-opinion/tecentriq-4 (letzter Zugriff: April 2022)
[2] https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02486718 (letzter Zugriff: April 2022)
[3] Felip E. ELCC 2022, oral presentation
[4] Fachinformation Tecentriq®, aktueller Stand
[5] Uramoto H, Tanaka F. Transl Lung Cancer Res. 2014
[6] Pignon JP et al. J Clin Oncol 2008
[7] NSCLC Meta Analysis Group. Lancet 2014
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