Grenzach-Wyhlen, 04. April 2022

  • Phase-III-Studie IMpower010: Das krankheitsfreie Überleben konnte in der Subgruppe mit PD-L1 TC ≥ 50 % mit adjuvanter Chemotherapie gefolgt von Tecentriq®▼ (Atezolizumab) erheblich gesteigert werden.1

  • Die positiven Daten zum krankheitsfreien Überleben geben Hinweise auf einen bedeutsamen Gesamtüberlebensvorteil durch Atezolizumab bei PD-L1-hochexprimierenden Patient:innen mit frühem NSCLC.2

  • Basierend auf diesen vielversprechenden Daten wird in den kommenden Monaten eine Zulassungserweiterung erwartet. Damit stünde mit Atezolizumab erstmalig eine adjuvante Krebsimmuntherapie beim frühen NSCLC zur Verfügung.

Für die frühen Stadien des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLCi) besteht ein hoher Bedarf an neuen Therapien. Deutlich wird dies, da selbst nach potentiell kurativer Resektion ein großer Teil der Patient:innen aufgrund des NSCLC innerhalb weniger Jahre verstirbt. Der aktuelle Therapiestandard – die (neo‑)adjuvante Chemotherapie – schafft nur einen sehr geringen Überlebensvorteil von etwa 5 %.3,4 Hohe Rezidivraten von bis zu 55 % tragen dazu bei, dass die Prognose trotz frühzeitiger Diagnose vergleichsweise schlecht ist. Rezidive betreffen neben der Lunge vor allem das Gehirn und können meistens nur noch mit palliativem Anspruch therapiert werden.5

Bisher gibt es keine neuartigen Therapiemöglichkeiten für die kurative, adjuvante Behandlung nach Operation beim frühen NSCLC. Die neuen Daten der Phase-III-Studie IMpower010 könnten nach langer Zeit des Stillstands zu einer Neuordnung der Therapielandschaft führen: Sie zeigen, dass insbesondere Patient:innen mit einem hohem PD-L1-Status von 50 % und mehr (PD-L1ii TCiii ≥ 50 %) in den frühen Stadien II-IIIA (nach UICC 7) des NSCLC stark von der adjuvanten Krebsimmuntherapie mit Atezolizumab profitieren.

Adjuvante Therapie mit Atezolizumab halbiert das Rezidivrisiko bei Patient:innen mit hohem PD-L1-Status

Die globale, multizentrische, offene, randomisierte Studie IMpower010 mit 1.280 Patient:innen untersucht die adjuvante Gabe von Atezolizumab nach Chemotherapie beim vollständig resezierten frühen NSCLC. Ermittelt wird das krankheitsfreie Überleben (DFSiv, definiert als Ausbleiben von Rezidiven, neu aufgetretenem NSCLC oder Tod) im Stadium II-IIIA, zum einen bei PD-L1 TC ≥ 1 % als primärer Endpunkt und zum anderen bei PD-L1 TC ≥ 50 % als sekundärer Endpunkt. Ein weiterer sekundärer Endpunkt ist das Gesamtüberleben (OSv) der ITTvi-Population.6

Die Subgruppe der Stadien II-IIIA mit PD-L1 TC von ≥ 1 % erreicht bei der Interimsanalyse des DFS einen signifikanten Vorteil von 34 % (stratifizierte HR, 0,66; 95%-KI: 0,50-0,88). In der Subpopulation an Patient:innen mit einer PD-L1-Expression von ≥ 50 % im Stadium II-IIIA verbessert sich unter Atezolizumab das DFS signifikant um 57 % (unstratifizierte HR, 0,43; 95%-KI: 0,27-0,68) im Vergleich zur bestmöglichen unterstützenden Behandlung (BSCvii). Patient:innen mit BSC leben median 35,7 Monate (95%-KI: 29,7-NE) krankheitsfrei; im Atezolizumab-Arm wurde das mediane DFS noch nicht erreicht (95%-KI: 42,3 Monate, NE).1

Die Daten zum OS waren zum Zeitpunkt der Interimsanalyse für die Gesamtpopulation noch unreif. Jedoch deutet eine frühe Auswertung der PD-L1-hochexprimierenden Subgruppe im Behandlungsarm mit Atezolizumab auf einen erheblichen Überlebensvorteil hin. Das Risiko zu versterben reduziert sich in dieser Auswertung um 63 % (unstratifizierte HR, 0,37; 95%-KI: 0,18-0,74).2 Das mediane Follow-up betrug zum Zeitpunkt der Auswertung 34,2 Monate. Die neuen Daten zeigen, dass PD-L1-hochexprimierende Patient:innen im Atezolizumab-Arm deutlich seltener (22 %) einen Krankheitsrückfall (sowohl lokal als auch Fernmetastasen) erleiden als im BSC-Arm (44 %). Rezidive treten zudem später auf. Besonders das Risiko der Bildung von Fernmetastasen wird unter Atezolizumab (9 %) im Vergleich zu BSC (26 %) gesenkt.1

Das Sicherheitsprofil entspricht bei Patient:innen mit PD-L1 TC ≥ 50 % in den Stadien II-IIIA dem der Gesamtpopulation.1 Diese Ergebnisse unterstreichen das positive Nutzen-Risiko-Verhältnis der adjuvanten Therapie mit Atezolizumab.

Bestehende Möglichkeiten und neue Perspektiven der Krebsimmuntherapie

Atezolizumab steht bereits in der First-Line-Behandlung des metastasierten NSCLC in zwei verschiedenen Kombinationen, mit Chemotherapie bzw. Chemotherapie und Avastin® (Bevacizumab), zur Verfügung. Bei hoher PD-L1-Expression auf mindestens 50 % der Tumorzellen oder mindestens 10 % der tumorinfiltrierenden Immunzellen und ohne ALK- oder EGFR-Mutation ist Atezolizumab seit letztem Jahr als Monotherapie zugelassen. Abhängig von der Indikation ist Atezolizumab als Monotherapie oder in Kombination mit weiteren Wirkstoffen auch beim kleinzelligen Lungenkarzinom, Urothelkarzinom, Triple-negativem Mammakarzinom und hepatozellulärem Karzinom zugelassen.7 Die Phase-II-Studie CITYSCAPE zeigt einen hohen klinischen Nutzen (PFS, OS, ORR) der Kombination aus den Krebsimmuntherapien Atezolizumab und Tiragolumab beim fortgeschrittenen NSCLC.8 Weitere Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit dieser neuartigen Kombination wird die Phase-III-Studie SKYSCRAPER-01 bringen.9

i Non-small cell lung cancer (NSCLC)
ii Programmed death-ligand 1 (PD-L1)
iii Tumor cell (TC)
iv Disease-free survival (DFS)
v Overall survival (OS)
vi Intention to treat (ITT)
vii Best supportive care (BSC)

Referenzen

[1] Felip E, ELCC 2022, oral presentation
[2] Schweizer Arzneimittelinformation zu Tecentriq, https://www.swissmedicinfo.ch (letzter Zugriff: März 2022)
[3] Pignon JP et al., J Clin Oncol 2008
[4] NSCLC Meta Analysis Group. Lancet 2014
[5] Uramoto H, Tanaka F. Transl Lung Cancer Res 2014
[6] Felip E et al., The Lancet 2021
[7] Fachinformation Tecentriq®, aktueller Stand
[8] Cho BC et al., ESMO-IO 2021, Abstract #LBA2
[9] https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04294810 (letzter Zugriff: März 2022)

Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.

Deutlich weniger Rezidive beim frühen NSCLC mit hohem PD-L1-Status unter adjuvanter Therapie mit Tecentriq®

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