Grenzach-Wyhlen, 10. August 2022

Auf der World Conference on Lung Cancer 2022 wurden aktuelle Daten zu Atezolizumab in der Adjuvanz beim operablen nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLCi) vorgestellt. Die adjuvante Therapie mit Atezolizumab eröffnet Patient:innen mit frühem NSCLC eine größere Chance auf Heilung. Für die Betroffenen sind die neuen Studienergebnisse von großer Bedeutung, denn: Bislang erlitten über die Hälfte dieser Patient:innen ein Rezidiv, viele von ihnen versterben trotz erfolgreicher Resektion innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose.1,2 Der aktuelle Therapiestandard – die (neo‑)adjuvante Chemotherapie – schafft mit etwa 5 % nur einen sehr geringen Überlebensvorteil.3,4

  • Die Interimsanalyse der IMpower010-Studie liefert neue Daten zum Gesamtüberleben unter adjuvanter Therapie mit Tecentriq® (Atezolizumab) nach erfolgreicher Resektion und platinhaltiger Chemotherapie.

  • Patient:innen mit NSCLC und PD-L1-Expression überleben länger, wenn sie nach Resektion und adjuvanter Chemotherapie Atezolizumab erhalten.

  • Dieser Überlebensvorteil ist in der Subgruppe mit hoher PD-L1-Expression (PD-L1 ≥ 50 %) besonders stark ausgeprägt: Das Risiko zu versterben sank um 58 %. Für diese Kohorte sind es die ersten Daten zum Gesamtüberleben.

  • Anfang Juni hat die Europäische Kommission die Zulassung für Atezolizumab zur adjuvanten Behandlung des NSCLC mit hohem PD-L1-Status erteilt.

Die neue, präspezifizierte Interimsanalyse der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie IMpower010 zu Atezolizumab im Vergleich zur bestmöglichen unterstützenden Behandlung (BSCii) zeigt: Patient:innen mit Tumoren der Stadien II-IIIA* und messbarer PD-L1-Expression (PD-L1iii TCiv ≥ 1 %) leben deutlich länger, wenn sie Atezolizumab anstelle von BSC erhalten.5,6

Atezolizumab verringert das Sterberisiko besonders deutlich bei hoher PD-L1-Expression

In der Subgruppe von Patient:innen in den Stadien II-IIIA mit PD-L1 TC ≥ 1 % reduziert sich unter Gabe von Atezolizumab das Risiko zu versterben um 29 % (HR: 0,71; 95%-KI: 0,49-1,03). Klinisch besonders relevant ist der positive Effekt auf das Gesamtüberleben (

zur Abbildung ) in der Subgruppe mit PD-L1 TC ≥ 50 %. Hier senkt Atezolizumab das Sterberisiko um 58 % (HR: 0,42; 95%-KI: 0,23-0,78). Nach drei Jahren waren rund neun von zehn Patient:innen unter Atezolizumab-Gabe noch am Leben, unter BSC war es nur jede:r siebte.5,6

Das mediane Follow-up beträgt zum Analysezeitpunkt 46 Monate (Daten-Cut-off: 18. April 2022). Neue Sicherheitssignale wurden trotz des nun längeren Follow-ups nicht beobachtet.5,6

Eine vorausgehende Interimsanalyse zeigte bereits vielversprechende Ergebnisse zum krankheitsfreien Überleben (DFSv) unter Atezolizumab für NSCLC-Patient:innen mit hoher PD-L1-Expression: Das Risiko für ein DFS-Event reduzierte sich um mehr als die Hälfte. Beobachtet wurde zudem ein knapp dreimal niedrigeres Risiko für Fernmetastasen.7 Auf Basis dieser Daten erteilte die Europäische Kommission Anfang Juni eine Zulassungserweiterung für den PD-L1-Inhibitor.8 Atezolizumab kann seither zur adjuvanten Therapie beim NSCLC nach R0-Resektion und platinhaltiger Chemotherapie bei erwachsenen Patient:innen mit hohem Rezidivrisiko und PD-L1 TC ≥ 50 % angewendet werden, sofern es sich nicht um ein EGFRvi-mutiertes oder ALKvii-positives NSCLC handelt.9

Neue Daten bestätigen systemische und intrakranielle Wirksamkeit von Entrectinib

Neue Daten gab es auf der Konferenz auch zur zielgerichteten Therapie beim ROS1-Fusions-positiven, fortgeschrittenen NSCLC. Eine aktuelle integrierte Analyse der Zulassungsstudien zeigt, dass mehr als zwei Drittel (ORRviii gesamt: 67,4 %) der Patient:innen unabhängig vom ZNS-Metastasierungsstatus bei Therapiebeginn auf Rozlytrek®[blacktriangle](Entrectinib) ansprachen. Bei Erstlinientherapie lag die ORR bei 68,7 %. Insgesamt sprachen 49 % der Patient:innen intrakraniell an, in der Erstlinie waren es rund 61 %. Das mediane Gesamtüberleben lag übergreifend bei fast vier Jahren (gesamt: 44,1 Monate; Erstlinie: 47,7 Monate). Unter der Therapie mit Entrectinib lebten Patient:innen mit bestehenden ZNS-Metastasen 28,3 Monate, ohne ZNS-Metastasen wurde das mediane Gesamtüberleben noch nicht erreicht.10 Die intrakranielle Wirksamkeit der zielgerichteten Therapien ist beim NSCLC hochrelevant, denn über ein Drittel der Patient:innen haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen im ZNS.11


i Non-small cell lung cancer (NSCLC)
ii Best supportive care (BSC)
iii Programmed death-ligand 1 (PD-L1)
iv Tumor cell (TC)
v Disease-free survival (DFS): definiert als Ausbleiben von Rezidiven, neu aufgetretenem NSCLC oder Tod
vi Epidermal Growth Factor Receptor (EGFR)
vii Anaplastische Lymphomkinase (ALK)
viii Overall response rate (ORR)

Referenzen

[1] Uramoto H, Tanaka F. Transl Lung Cancer Res 2014

[2] Niu FY et al. BMC Cancer 2016

[3] Pignon JP et al. J Clin Oncol 2008

[4] NSCLC Meta Analysis Group, Lancet 2014

[5] https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02486718 (letzter Zugriff: August 2022)

[6] Felip E et al. WCLC 2022, Oral Presentation PL03.09

[7] Felip E et al. ELCC 2022, Oral Presentation, Abstract 80O

[8] https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/tecentriq#authorisation-details-section (letzter Zugriff: August 2022)

[9] Fachinformation Tecentriq®, aktueller Stand

[10] Fan Y et al. WCLC 2022, Oral Presentation MA13.04

[11] Patil T et al. J Thorac Oncol 2018

Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.

Adjuvante Therapie mit Tecentriq: Patient:innen mit operablem NSCLC und hoher PD-L1-Expression leben deutlich länger

[blacktriangle] Rozlytrek unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Auch Patienten können dabei helfen, indem Sie jede auftretende Nebenwirkung melden.

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